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Coco Chanel, Jil Sander und Vivienne Westwood · PDF file 2011-04-07 · Vivienne Westwood. Coco Chanel – Der märchenhafte Aufstieg einer Näherin aus der Provinz zur Pariser Modeschöpferin

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Text of Coco Chanel, Jil Sander und Vivienne Westwood · PDF file 2011-04-07 · Vivienne...

  • Drei Mode-Ikonen im Portrait

    Coco Chanel, Jil Sander und

    Vivienne Westwood

  • Coco Chanel – Der märchenhafte Aufstieg einer Näherin

    aus der Provinz zur Pariser Modeschöpferin

    Coco Chanel, eigentlich Gabrielle Bonheur Chasnel, wurde am 19. Au- gust 1883 als zweite Tochter eines Straßenhändlers in Saumur in der Auvergne geboren.

    Sie war ein uneheliches Kind. Die Mutter, die die Ehe vortäuschte, ließ ihre Tochter auf den Familienna- men des Vaters taufen. Durch einen Schreibfehler im Taufbuch wurde das „s“ im Namen übersehen und auch später nicht wieder korrigiert. Aufgewachsen ist Chanel in ärm- lichen Verhältnissen. Als sie zwölf Jahre alt war, verstarb die Mutter. Der Vater, der das Sorgerecht erhielt, gab sie und ihre ältere Schwester in die Obhut eines Waisenhauses.

    Mit Erreichen des 16. Lebensjahres wurde Chanel aus dem Waisenhaus entlassen. Sie begann zunächst als Näherin zu arbeiten und zog später nach Paris, um in diversen Nacht- clubs als Sängerin und Tänzerin aufzutreten. Hier erhielt sie den Bühnennamen „Coco“, der nach einer Weile auch ihr Rufname wurde. Ab 1909 arbeitete sie als Modistin in Paris. Ihr Wunsch war es, sich als Hutmacherin selbstständig machen zu können.

    Ein wohlhabender Verehrer stellte ihr 1910 die finanziellen Mittel zur Verfügung, und so konnte sie im Atelier eines Wohnhauses mit der Produktion von Hüten nach eige- nem Design beginnen. Der Verkauf ihrer Arbeiten lief bestens, so dass sie schon nach kurzer Zeit ihr erstes Hutgeschäft in Paris eröffnen konn- te. Als sie im Auftrag der Kunden auch Kleider entwarf, entstanden völlig neue, schlichte Kleider in groß- flächigen Grundfarben.

    Kleider von Coco Chanel wurden zum edlen Luxus-Produkt der Pariser Szene und schon 1914 eröffnete sie unter ihrem Namen erste Boutiquen in Deauville und Biarritz. Ab 1918 lancierte sie Pyjamas für Frauen, der bisher nur den Männern vorbehal- ten war. 1919 eröffnete sie einen Modesalon in Paris. Chanel zeigte sich nicht nur als herausragende Modeschöpferin, sondern auch als erstklassige Geschäftsfrau.

    Ihren Durchbruch vollzog sie aller- dings nicht mit ihrer Mode, sondern 1923 mit dem Parfum „Chanel Nr. 5“. Dieser Duft war auch der erste, der unter dem Namen des Schöpfers präsentiert wurde. 1926 entwarf sie das erste „Kleine Schwarze“. Schlag- zeilen machte sie Anfang der 1930er Jahre, als sie mit den Nationalsozi- alisten sympathisierte. Auch einige Freundschaften zu hochrangigen deut- schen Offizieren aus dieser Zeit

    wurden ihr vorgewor- fen.

    Während des Krieges

    zog

    sich Chanel ab 1939 aus dem Ge- schäftleben und allen Aktivitäten zurück. Ihre Zeit nutzte sie, um eine neue Kollektion zu entwerfen. Als Vorbild und Inspiration dienten ihr die Uniformen des Zweiten Welt- krieges. Vorlagen aus dieser Zeit be- einflussen bis heute den typischen Chanel-Stil. Ihr Geliebter und früher Geldgeber Arthur Capel heiratete in England und verunglückte wenige Monate später tödlich bei einem Autounfall an der Côte d’Azur.

    Chanel war außerdem mit Pablo Picasso, Sergej Diaghilew, Jean Cocteau und Igor Strawinsky eng befreundet. Im Privatleben Chanels scheiterten zahlreiche Beziehungen, so auch die Verbindung mit dem rus- sischen Fürsten Dimitri Pawlowitsch, den sie Ende des Krieges kennen ge- lernt hatte, und die Freundschaft mit dem Herzog von Westminster, Hugh Richard. Erst 1954 kehrte Chanel wieder ins Berufsleben zurück. Ihre zu Kriegszeiten entstandene Kollektion wurden nun produziert.

    Der Erfolg in den USA war überwäl- tigend. Vor allem hier traf sie den Zeitgeist. Damit stellte sich auch der internationale Durchbruch des Hauses Chanel ein. Erstmals in der Geschichte der Mode waren Frauen in den zweiteiligen Kostümen von Chanel gleichberechtigt. Ihre Kostü- me aus körnig weichen, melierten Tweeds mit aufgesetzten Taschen beeinflussten die Mode des 20 Jahrhunderts nachhaltig.

    Die bis ins hohe Alter aktive Coco Chanel starb am 10. Januar 1971 während der Vorbereitungen für eine weitere Kollektion im Alter von

    87 Jahren in Paris.

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  • Chanel Nr.5: Siegeszug nach Werbung von Marilyn Monroe Gabrielle „Coco“ Chanel lehnte ursprünglich Parfums ab: „Frauen parfümieren sich nur, wenn sie schlechte Gerüche zu verbergen haben.“ Heute ist die wichtigste Kreation aus den Chanel-Labors, Nº 5, ein Kultduft, der – vor allem zu Weihnachten – verschenkt wird. Cocos Liebhaber, der Großfürst Dmitri Pawlowitsch Romanow, machte die längst erfolgreiche Modemacherin 1920 mit dem Par- fumeur Ernest Beaux bekannt. Der Franzose hatte in Russland den Vor- gängerduft „Bouquet de Catherine“ 1913 auf den Markt gebracht. Dort war er aber mäßig erfolgreich. In Frankreich experimentierte der Parfumeur weiter mit dem Duft – der als einer der ersten synthetische Komponenten enthalten sollte, wodurch die Haltbarkeit verbessert und die Fettigkeit des enthaltenen Mairosen- und Jasminöls neutrali- siert wurden.

    Coco Chanel testete die Duftvarian- ten und entschied sich für das fünfte Fläschchen – das sie als Weihnachts- geschenk für ihre besten Kundinnen erwarb. Auf die Frage, wie sie das Parfum nennen wolle, soll Coco ge- antwortet haben: „Ich lanciere meine Kollektion immer am fünften Tag des fünften Monats, die Fünf scheint mir Glück zu bringen.“ Erst 1922 – als die beschenkten Kundinnen Nachschub verlangten – wurde Chanel Nº 5 zum Verkauf angeboten.

    Während sich Coco um die Entwick- lung des Modehauses selber küm- merte, trat sie die Rechte an ihren Düften 1924 an Theophil Bader und Pierre Wertheimer ab. Die Couturiere

    fühlte sich jedoch übervorteilt und kämpfte um eine finanzielle Abgel- tung.

    1954 ging die Marke Chanel kom- plett in Wertheimer-Besitz über. Mit der Einigung kassierte Coco Chanel aber genug, um mit ihrer Modelinie neu durchstarten zu können. Das war auch das Jahr, in dem Marilyn Monroe mit ihrer Aussage: „Zum Schlafen trage ich nur zwei Trop- fen Chanel Nº 5“ den endgültigen Siegeszuges des intensiven Duftes besiegelte.

    Coco Chanel starb am 10. Januar 1971 87-jährig – an einer neuen Kol- lektion arbeitend. Der damalige Ruf des Labels, Mode für reiche, ältere Damen zu kreieren, änderte sich erst durch Karl Lagerfeld. Der Deutsche begann 1983 für Chanel Mode zu entwerfen und das Haus zu seinem alten Ruhm zurückzuführen. Wie groß das Reich der Wertheimers heute ist, ist durch ein komplexes Firmenkonstrukt kaum darstellbar, attestiert das Wirtschaftsmagazin Forbes.

    Seit 1968 werben in aufwändig ge- stalteten Spots Schöne aus der Welt des Films für die Parfums – derzeit Audrey Tautou, die Hauptdarstellerin in der jüngsten Verfilmung über die

    Gründerin des Hauses.

    Kultfaktor Chanel Nº 5 ist der erfolgreichste Damenduft aller Zeiten. Der Herstel- ler schätzt, dass alle 30 Sekunden ein Flakon verkauft wird. Marilyn Monroe verhalf dem Parfum zum endgültigen Durchbruch. 1954 sagte sie: „Zum Schlafen trage ich nur zwei Tropfen Chanel Nº 5.“

    Meilensteine 1920 suchte Coco Chanel die fünfte Variante eines Duftes von Ernest Be- aux als Weihnachtsgeschenk für ihre Kundinnen aus. 1922 verlangten die Modekundinnen Nachschub – der Verkauf startete. Die Gratiswerbung durch Marilyn Monroe 1954 erledig- te den Rest.

    Markenmacher Coco Chanel hat nicht nur die Mo- dewelt revolutioniert, indem sie die Frauen von den Korsagen befreite.

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  • Jil Sander – Die hanseatische Vertreterin

    setzt auf Schlichtheit und Klarheit

    Jil Sander wurde als Heidemarie Jili- ne Sander am 27. November 1943 in Wesselburen bei Hamburg geboren. Bereits in jungen Jahren zeigte sie ein außergewöhnliches Modebe- wusstsein, als sie in den 1950er Jahren statt Petticoats Hosen anzog. Nach dem Besuch der Realschule begann Sander ein Studium des Textilingenieurswesens. Nach ihrem Abschluss siedelte sie in die Verei- nigten Staaten über. Dort war sie in Los Angeles als Redaktionsassisten- tin bei der Zeitschrift „McCalls“ tätig. Zwei Jahre später kehrte sie nach Deutschland zurück.

    Sie ließ sich in ihrer Heimatstadt Wesselburen nieder und arbeitete als Modejournalistin in Hamburg für die Zeitschrift „Constanze“ und spä- ter bei „Petra“. 1967 machte Sander sich selbstständig. Sie eröffnete ihre erste Modeboutique im Hamburger Stadtteil Pöseldorf in der Milch- straße, in der sie neben Mode aus Paris auch eigene Entwürfe anbot. 1974 stellte sie erstmals ihre eigene Kollektion in der Öffentlichkeit vor, mit der sie aber zunächst nicht den großen Wurf machte. Erst zwei Jahre später ver- half ihr

    der

    Zwiebel-Look beziehungsweise Lagen-Look & Kombinationsmode zum großen Erfolg.

    Schon zwei Jahre später, 1978, ergänzte Sander als erste deut- sche Designerin ihre Mode mit der berühmten Pflegeserie „Jil Sander Woman Pur“. Für ihr Parfum warb sie mit ihrem eigenen Gesicht. Im gleichen Jahr führte die japanische Modezeitschrift „High Fashion“ Sander als eine der zwölf weltbes- ten Modedesignerinnen auf. In den Vereinigten Staaten machte sie sich mit der betonten Schlichtheit ihres Stils einen Namen als „Queen of the Less“. 1983 fasste Sander mit ihrer Mode auf dem italienischen Markt Fuß. Es folgten Niederlassungen in New York, in asiatischen Metropolen und in Paris. Im Jahr 1984 entwarf sie Accessoires und Brillen, und 1986 komplet- tierten Ledermäntel, Strickwaren, Krawatten und Einstecktücher das Kreativangebot Sa

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